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Mittwoch, 1. Mai 2013

Faire Kleidung - H&M Boykott?

Seid gegrüßt ihr Lieben!

Der Titel meines Post beschreibt heute ausnahmsweise nichts was ich tue oder vorhabe, zu tun - zumindest nicht direkt. Nach einigen Diskussionen und gesammelten Erfahrungen in letzter Zeit habe ich lediglich beschlossen, meinen Gedanken über dieses Thema öffentlich freien Lauf zu lassen.

Ich lerne immer mehr Menschen kennen, denen es besonders wichtig ist, mit ihrem Konsumverhalten keine.. nennen wir es "unfaire" Verhältnisse, zu fördern. (In vielen Fällen wäre unfair ja weit untertrieben!)
Genau wie es Rohköstler, Veganer, Vegetarier, Fisch-Vegetarier und sonstige Einstellungen gibt, findet man auch in diesem Bereich verschiedenste Maßnahmen, die Menschen ergreifen um mit ihrem Handeln ein Zeichen zu setzen:

  1. Gruppe A: Leute die überhaupt gar kein Gewand mehr bei Kleiderketten einkaufen (ob nun H&M, C&A, Zara, Mango, Pimpkie...) nennen wir sie XY, sondern stattdessen in Secondhand- und Vintageläden, auf Flohmärkten oder bei Tauschbörsen ihre Teile erstatten. Gegebenenfalls wird auch bei Öko-Labels oder im Faire-Trade-Shop eingekauft, der Konsum von neuen Sachen wird jedoch allgemein eher vermieden.
  2. Gruppe B:Einige kaufen vorwiegend Kleidung aus zweiter Hand, nähen es sich selber und versuchen einem Einkauf bei XY großräumig aus dem Weg zu gehen. Manchmal gibts aber doch eine Ausnahme.
  3. Gruppe C:Erstaunlicherweise, um auf meinen Posttitel zurückzukommen, gibt es auch solche Leute, die aus Prinzip H&M boykottieren. Nur H&M. Was für mich, aus einem ethischen Blickwinkel betrachtet, wenig Sinn ergibt. Doch dazu später mehr.
  4. Gruppe D: Und wahrscheinlich auch die Gruppe, zu der sich die meisten von uns zählen werden sind jene, die zwar Bescheid wissen, gerne etwas ändern würden, aber einerseits zu wenig Geld haben, um sich ausschließlich in fairer und grüner Mode einzukleiden und andererseits keinen Gefallen an erdfarbenen und formlos geschnittener Kleidung finden. Klar, nicht jedes Öko-Label produziert nur Jutesäcke, aber seien wir uns ehrlich...
  5. Gruppe E: Zu guter letzt jene, denen es überhaupt egal ist. Nicht weiter erwähnenswert, ich glaube, wir wissen alle, wen ich meine ;). 
Jetzt fragt ihr euch sicher zu welcher Gruppe ich mich selbst zähle. Tja, so peinlich es mir auch ist, mir, als umweltbewusster, gesellschaftskritischer Mensch, muss ich zugeben, dass ich mich als Mitglied von Gruppe D bezeichne :/...

Welche Rechtfertigung habe ich?

Also eeeeigentlich gibt es für mein unverantwortliches Handeln ja keine richtige Rechtfertigung. Ich liebe einfach 3 Euro Shirts und 10 Euro Hosen und den ganzen bunten Billigkram. Und nebenbei bemerkt kann ich mir mit meinem Einkommen als noch-Schülerin keinen gut aussehenden faire trade Pullover leisten. Geschweige denn, mir alles was ich als anspruchsvolles und halbwegs modebewusstes Mädchen so an Kleidung benötige, von grünen Labels kaufen.

Meine Flohmarkt-Phobie

Ein weiteres Problem, welches ihr nicht unbedingt verstehen müsst ist, dass ich nicht in Second Hand Shops und auf Flohmärkten einkaufen kann. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund finde ich Second Hand Kleidung so widerlich, dass es mich jedes Mal reckt. Ja, mir kommts echt hoch. Und das ärgert mich selber wahnsinnig, weil man gerade ich Vintage Läden soooo coole Sachen finden kann. Aber ich habs ein Mal versucht, das Teil ca. 3 Mal gewaschen, Wochen lang in der Tiefkühltruhe gehabt - aber mir ist immer speiübel geworden, sobald ich es anziehen wollte. 

Etwas anderes ist es, wenn ich dem Verkäufer direkt gegenüber stehe. So war ich vor einigen Tagen zum Beispiel auf einem sogenannten "Fashion Flohmarkt", auf dem lauter nette junge Frauen zwischen 18 und 30 ihre ausgemusterten Teile angeboten haben. 
Um 22 Euro bekam ich:
- 1 Rock von Killah um 5,-
- 1 Rock von H&M casual um 3,-
- 2 Jerseyschals um 6,-
- 1 kurzärmlige Karobluse um 5,- (auch von H&M)

Lustigerweise trage ich seither jeden Tag eines dieser Kleidungsstücke, und das ganz ohne Übelkeit :D. Liegt wahrscheinlich einfach daran, dass mir die ehemalige Trägerin bekannt und sympathisch war...

Arbeitsbedingungen, farie trade, und H&M 

In Gruppe C habe ich euch versprochen, später noch auf dieses Thema zurückzukommen. Here we are. Lange dachte ich auch, dass ein H&M-Boykott eine gute Lösung wäre, dem ganzen Ding mit den schlechten Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit usw. aus dem Weg zu gehen. 
In meiner Schule haben wir ein Fach, das sich "Textiltechnologie und Bekleidungsphysiologie" nennt. Gerade im letzten Jahr haben wir uns intensiv mit Arbeitsbedingungen in verschiedenen Ländern beschäftigt, mit Arbeiterrechten in taiwanesischen Fabriken, mit den Produktionsländern verschiedener Ketten usw.
Hier mögen sich die Geister streiten, aber nach aufwändiger Recherche-arbeit sind wir zu immer erstaunlicheren Ergebnissen gekommen.
Laut meiner Lehrerin, sie sich schon seit Jahren mit diesen Themen auseinandersetzt und Zugang zu verlässlichen Quellen hat, ist es nicht H&M, der es mit seiner Produktion an die Spitze treibt. Nein, im Gegensatz zu diversen anderen Modehäusern ist H&M sogar noch recht gut unterwegs. Am schlimmsten sind die Arbeitsbedingungen angeblich bei C&A. Aber ich will hier nichts verschönen.
Alle diese XY haben haufenweise Dreck am Stecken! 
  • Näherinnen, die 14h am Tag arbeiten müssen, 
  • Sonntags theoretische frei hätten, aber das kann sich keiner erlauben. 
  • Schläge, wenn man in den.. ähäm.. Pausen einschläft, 
  • Schwangere bekommen besonders anstrengende Aufgaben zugeteilt, damit sie ihr Kind verlieren.
  • Seit neuestem werden bei Bränden die Fluchtwege verbarrikadiert.
  • Vom Gehalt brauchen wir gar nicht erst anzufangen.
  • Dazu kommt noch ein hoher psychischer Druck, weil man bei jedem noch so kleinen Fehler gefeuert werden könnte und dann
  • hätte man kein Geld mehr, um häufig als einziger Erwerbstätiger seine Familie ernähren zu können.
Ich bin mir sicher, dass sich hier noch etliche weitere Punkte hinzufügen lassen. So gesehen ist es eigentlich nur richtig, alle XY zu boykottieren, also sich Gruppe A oder zumindest Gruppe B anzuschließen. Der einzige Grund für mich, ausschließlich bei H&M nicht einzukaufen ist nach wie vor der, dass alle dort einkaufen, und dass demnach auch jeder sofort weiß, woher du dein cooles neues Kleid hast. Oder eben irgendein individueller Disziplinierungsversuch... Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Ist Boykott also eine Lösung?

:/ So leid es mir auch tut euch das mitteilen zu müssen, aber nein. So schlimm die Arbeitsbedingungen in China, Taiwan & co. auch sein mögen - diese Leute leben davon! 
Stellt euch vor, wir würden alle nicht mehr bei XY einkaufen. Dann hätten die Fabriken keine Aufträge mehr und müssten nach und nach immer mehr Arbeiter entlassen (natürlich erst, nachdem sie ihre Preise und somit auch die Gehälter gesenkt hätten, wohlgemerkt). Und wenn diese Menschen, wie oben genannt, die einzigen Erwerbstätigen in ihrer Familie waren - was passiert dann?
Auf diese unmoralische Art und Weise, leider, halten wir nämlich tausende Menschen am Leben. 
Wir können uns mit einem Boykott von XY zwar ausdrücklich gegen das stellen, was da passiert und so behaupten, nicht die Schuld mitzutragen. Das alleine ändert aber nichts.
Ich will mit dieser Aussage um Gottes Willen nicht so schlimmen Dingen wie Kinderarbeit usw. einen Freipass geben. Bitte denkt das nicht! Ich will genauso wie ihr (hoffentlich), dass wir bald eine andere Lösung finden. 

Was wäre die Lösung?

Ich kann keine Reformation der weltweiten Arbeitsgesetze fordern. Denn auch wenn herkömmlichen Fabriken mehr Geld gezahlt wird, damit die Arbeitsverhältnisse und die Bezahlungen fairer und vor allem menschlicher werden - wer garantiert uns, dass die Chefs nicht doch alles selbst einstecken und sich im Grunde nichts ändert? Wer garantiert uns, dass hinter bestimmten Zertifizierungen auch wirklich das steht, wofür wir letztendlich bereit waren, mehr zu zahlen?
Ich schreibe zwar einen Post zu diesem Thema, aber das heißt nicht, dass ich alles besser weiß und versuche, euch von meinen Ansichten zu überzeugen. Ich möchte nur zu den Menschen gehören, die erste Schritte in eine humanere Richtung tun. Unseren Mitmenschen und unserer Umwelt zuliebe.
Deshalb kann ich bloß das tun, was als Absolventin einer Modeschule in meiner Macht steht:

Firmen suchen, die schöne ökologische Naturfasern produzieren und
meine Kleidung ausschließlich aus deren Stoffen herstellen lassen.
Die Entwürfe von Nähern und Näherinnen umsetzen lassen, die nach meiner Vorstellung von fairer Bezahlung entlohnt werden,
und die nach meinen Vorstellungen von fairen Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen arbeiten.

Doch zu allererst muss ich natürlich selbst damit beginnen. Und ohne Scheiss (entschuldigt die Ausdrucksweise, aber echt jetzt!), zu Gruppe D zu gehören ist schon um einiges besser, als einfach blind durchs Leben zu torkeln. 
Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ich mit diesem Post einige von euch sozusagen "upgraden" konnte ;), wenn ihr wisst, was ich meine.


Und jetzt seid ihr drann :D!

  • Wie seht ihr das?
  • Was tut ihr oder was tut ihr nicht?
  • Zu welcher Gruppe würdet ihr euch zählen?
  • Was ist eurer Meinung nach die beste Lösung?

Alles Liebe und bis zum nächsten Mal :)

Kommentare:

  1. Hallo! Ich muss dir ganz klar widersprechen, ich halte Boykott für eine Lösung. klar, erstmal wäre die Situation beschissen, aber ich finde man muss bei solchen Themen langfristiger denken. Nachfrage bestimmt das Angebot. Es gibt doch diese billig-Shirts nur, weil wir sie kaufen! Würden wir dies nicht tun, also würden sich die Konsumenten weigern nicht fair produzierte Kleidung zu kaufen, müsste Kleidung auch fair hergestellt werden. so einfach ist das. Das wäre ein langwieriger Prozess und die komplette Wirtschaft müsste umstrukturiert werden, aber ich glaube daran, dass eine faire Welt möglich ist und dass es immernoch die Konsumenten sind, die durch ihre Nachfrage die Macht haben zu entscheiden wie Dinge produziert werden. Ich finde also man macht es sich sehr einfach damit zu sagen, dass die Leute ja die Arbeit brauchen. Wir helfen ihnen nicht, sondern sind schuld an ihrem Leid. Würden wir unsere Konsumentscheidung anders treffen, sähe die Welt ganz anders aus. Ich verstehe nicht wieso du sagst, dass ein Boykott nichts ändern würde. Du bist doch auch Veganerin, oder? Es kann sein, dass deine Gründe anders sind, aber ich zum Beispiel mach das unter anderem deshalb, weil ich hoffe, dass wenn viele Menschen (darüber, dass der Satz "ja aber das bringt ja nichts wenn nur ich das mache" scheiße ist, sind wir uns ja bestimmt einig) die Nachfrage nach tierischen Produkten nicht erhöhen, sondern eher die Nachfrage nach veganen Produkten, sich etwas ändert. langfristig eben. Finde beide Themen vergleichbar. Ich hoffe du konntest mir irgendwie folgen, hab einfach runtergeschrieben was mir so einfiel :)
    Liebe Grüße,
    Anni

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  2. achso, was mich noch interessiert:
    kaufst du auch nicht fair produzierte Schokolade (Kaffee etc.) und sagst dann, dass du damit die Kinderarbeiter am Leben hälst?
    Klingt jetzt provozierend formuliert, aber ist gar nicht böse gemeint, ich möchte wirklich gerne deine Haltung verstehen. :)

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    1. Hey Anni, danke für deine ehrliche Stellungnahme!
      Also grundsätzlich bin ich keiner von den Menschen die behaupten "das hat sowieso keinen Sinn" oder "ich als einziger kann eh nichts bewirken". Im Gegenteil.
      Ich finde auch, dass du völlig Recht hast, was die langfristige Umstellung auf faire Produktionsverhältnisse betrifft.
      Mich beschäftigt trotzdem der Weg dorthin. Weil das kurzfristig bedeuten würde, dass wir alle viel tiefer in die Tasche greifen müssten. Ich habe oben schon erwähnt, dass ich mir das nicht wirklich leisten könnte. Und eine alleinerziehende Mutter von 3 Kindern wahrscheinlich noch weniger. Ich kenne viele Familien die nur bei Kik einkaufen und sich schlecht ernähren, einfach weil sie es sich nicht leisten können. Abgesehen davon bieten die meisten Öko-Labels keine besonders tollen Alternativen an, aber dazu werde ich noch einen anderen Post verfassen ;). Das ist halt eine Blöde Phase, durch die wir aber durch müssen.

      Wenn ein Boykott für dich eine Lösung darstellt, dann ist das gut so. Meine Lösung wäre die, dass ich mich einfach bemühe, das Angebot etwas aufzumischen (siehe oben) :). Ich bin mir sicher, jedem von uns fällt da was gutes ein.

      Und zu deiner Frage:
      Ich trinke keinen Kaffee, und Schokolade esse ich eig auch selten. Wenn, dann die von Alnatura oder Vivani.. Aus dem Reformhaus halt. Ich hoffe doch, dass die fair produziert sind o.O?

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    2. Ach, sorry ich glaube ich hab erst jetzt richtig verstanden, worauf du eigentlich hinaus wolltest!
      "So schlimm die Arbeitsbedingungen in China, Taiwan & co. auch sein mögen - diese Leute leben davon!" War es vor allem diese Aussage? Mir ist erst jetzt aufgefallen, wie arg das eigentlich klingt :(! Ich werde es auf jeden Fall besser formulieren. Ich wollte damit natürlich nicht sagen, dass ich Kinderarbeit und überhaupt Arbeitsbedingungen unter aller Sau unterstütze. Auf keinen Fall! Nein, nein nein!

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